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Osmanisches Reich – Verklärung eines islamischen Imperialismus

Das Osmanische Reich führte über 500 Jahre lang Krieg gegen Europa mit einer Gesamtkriegsdauer von durchgehenden 170 Jahren. Sein Ziel war die Einverleibung des "Goldenen Apfels" (Wien und Rom) in den Herrschaftsbereich der Hohen Pforte.

Osmanisches Reich (auch Türkisches Reich, veraltet auch Ottomanisches Reich) ist die Bezeichnung für das Reich der Dynastie der Osmanen von ca. 1299 bis 1923. In Europa wurde das Land als „Türkei“ oder „Türkisches Reich“ bezeichnet. Das Osmanische Reich ging aus den Resten des Sultanats der Rum-Seldschuken hervor und war mehrere Jahrhunderte lang die entscheidende Macht in Kleinasien, im Nahen Osten, auf dem Balkan, in Nordafrika und auf der Krim. Hauptstadt war seit 1453 Konstantinopel (osmanisch Kostantiniyye; heute Istanbul). Im Laufe des 18. und vor allem im 19. Jahrhundert wurden die Osmanen in Auseinandersetzungen mit den europäischen Mächten sowie durch diverse Aufstände anderer Nationen, welche unter osmanischer Herrschaft lebten, nach Kleinasien und in den Nahen Osten zurückgedrängt. Nachdem der osmanische Sultan nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg seine Autorität verloren hatte und in den folgenden Wirren sich eine konkurrierende Nationalregierung unter Mustafa Kemal Pascha hatte durchsetzen können, wurde 1923 als Nachfolgestaat die Republik Türkei gegründet.

Geschichtserinnerung: Osmanisches Reich – Verklärung eines alten Imperiums
Unter Präsident Erdogan gewinnt in der Türkei die Erinnerung an das Osmanische Reich an Popularität. Es wird zum goldenen Zeitalter stilisiert. In anderen Ländern ist die Erinnerung daran gespalten.

Mit dem verlorenen Ersten Weltkrieg vor hundert Jahren wurde das Ende des Osmanischen Reiches eingeläutet. Für die Türken ist die Erinnerung daran eine widersprüchliche Angelegenheit. Es gibt immer noch viele Stimmen, die dem alten Imperium nachtrauern. Immerhin handelte es sich um einen funktionierenden Vielvölkerstaat.

Viele konservative und religiöse Türken verklären das Osmanische Reich.Unter der Regierung der AKP und dem Präsidenten Recep Tayyip Erdogan werden die Erinnerungen an das alte Imperium bewusst wach gehalten. Im kollektiven Gedächtnis der Türkei ist das Osmanische Reich ein Gegenentwurf zum kemalistisch-säkularen Staat von heute.
Die türkische Kultur- und Filmindustrie malt durchweg ein positives Bild vom damaligen Großreich. Man ist sich des einstigen Großmachtstatus durchaus bewusst. Die neo-osmanische Renaissance ist populär. Man diskutiert sogar, den Schülern in den Schulen wieder Osmanisch beizubringen. Damit meint man die Schreibung der türkischen Sprache in arabischer Schrift, wie es vor den Reformen Kemal Atatürks üblich gewesen war.

Die Herrschaftsdynastie der Osmanen hatte übrigens genauso geendet wie jene der Hohenzollern in Deutschland, der Habsburger in der Donaumonarchie und der Romanows in Russland – mit Umsturz. Wie Österreich-Ungarn, zerfiel auch das Osmanische Reich, der „kranke Mann am Bosporus“, in seine ethnischen Bestandteile.

Für viele der damals unterworfenen Völker war der Untergang des Osmanischen Reiches eine Erleichterung gewesen. Insbesondere die Armenier pflegen die Erinnerung an die Verfolgungen, die sie insbesondere in der Endphase des Osmanischen Reiches erlitten. Im Jahre 1915 nahmen diese Verfolgungen Formen eines Genozids an. Hundert Jahre später, im Jahr 2015, gedenkt man in Armenien an diesen Völkermord, dem mehr als eine Million Menschen zum Opfer gefallen waren.

Das Imperium einer vergangenen Epoche
Noch vor hundert Jahren war der komplette Vordere Orient vom Osmanischen Reich beherrscht. Es umfasste gänzlich Kleinasien und Anatolien, Syrien, das Zweistromland, Palästina, den Libanon und Teile der arabischen Halbinsel. Während des Ersten Weltkrieges kämpfte es an der Seite des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns gegen die Alliierten, gegen Russland im Osten und gegen die Briten und Franzosen an den Küsten.

Nach dem verlorenen Krieg brach das Reich zusammen. Aus den Trümmern der Resttürkei schuf Kemal Atatürk den modernen türkischen Nationalstaat, wie wir ihn heute kennen. Dessen Grenzen wurden 1923 im Vertrag von Lausanne international anerkannt, nachdem zuvor im türkisch-griechischen Krieg Hunderttausende beiderseits der ethnischen Grenzlinien ihre Heimat aufgeben und umsiedeln mussten.

Islamische Großmacht als Erbe des christlich-byzantinischen Reiches
Im christlichen Abendland hatte man das Osmanische Reich stets als Bedrohung empfunden. Die Schlacht auf dem Amselfeld im Jahre 1389 und die Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 hatten überall in Europa die Alarmglocken klingen lassen. 1529 belagerten die Türken Wien. 1689 standen sie nochmals vor Wien.

Während seiner größten Ausdehnung im 16. Jahrhundert beherrschte das Osmanische Reich den gesamten östlichen Mittelmeerraum, Südosteuropa und Vorderasien. Es reichte von Algerien über Tunesien, Libyen und Ägypten im Westen bis nach Mesopotamien (Irak), Armenien und Georgien im Osten, von Siebenbürgen, Moldawien und der Krim im Norden bis zum Jemen ganz im arabischen Süden.

Seine maximale geographische Ausdehnung entsprach im Groben jener des Byzantinischen Reiches in der Spätantike. Die Tatsache, dass die Türken Konstantinopel zu ihrer eigenen Hauptstadt machten und die Hagia Sohia, einstmals die größte Kirche der Christenheit, in eine Moschee umwandelten, unterstrich ihren Machtanspruch, nämlich Erbe des Oströmischen Reiches zu sein. Gleichzeitig sahen sich die Herrscher des Osmanischen Reiches als oberste Vertreter des Islam und Schirmherren aller Muslime. Ab 1517 traten die osmanischen Sultane auch als Kalifen auf.

Dann zerfiel das Reich Stück für Stück. Schon mit der Seeschlacht von Lepanto im Jahre 1571 wurde eine Wende herbeigeführt. Nach dem Aufruf des Papstes Pius V. hatte sich eine Heilige Liga zusammengeschlossen: Spanien, Genua, Venedig, Savoyen, Florenz, Parma, Urbino, die Malteser und der Kirchenstaat hatten eine gigantische Flotte aus über 200 Schiffen und Galeeren aufgestellt, um die osmanische Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer zu brechen. Die Heilige Liga konnte die überlegene osmanische Flotte bezwingen. Dieser Sieg brachte nicht nur eine strategische, sondern auch eine psychologische Wende. Die Expansion des Osmanischen Reiches im Mittelmeerraum war gestoppt.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte schrumpfte das Reich. Insbesondere in Nordafrika und auf dem Balkan lösten sich die Provinzen. Russland drängte von Norden zum Schwarzen Meer und zum Kaukasus. Auf dem Balken dehnte die Donaumonarchie ihre Grenzen aus. Die Balkanvölker fochten für ihre Unabhängigkeit. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte das Osmanische Reich bereits alle nordafrikanischen Provinzen an die europäischen Kolonialmächte verloren und auf dem europäischen Kontinent nur noch einen kleinen Brückkopf westlich von Istanbul behalten, der noch heute Teil der Türkei ist.

Osmanisches Reich: Gutes Reich? Böses Reich?
Und heute? Angesichts der zahlreichen Nahostkriege, der Bürgerkriege in Syrien und im Irak, des Palästina-Israel-Konfliktes, der Krisen im Libanon und vieler anderer Probleme im Nahen und Mittleren Osten, werden nostalgische Erinnerungen an das einstige Osmanische Reich wach. War es nicht damals so, dass Völker und Konfessionen im Osmanischen Großreich mehr oder weniger friedlich miteinander auskamen?

... Die Schaffung des türkischen Nationalstaates hatte zur Folge, dass viele Minderheiten, allen voran die Griechen und Armenier, das Land verließen. Die Kurden wurden zur ethnischen Minderheit und passten nicht in das Bild des Nationalstaates, weshalb sie kurzerhand als Bergtürken bezeichnet wurden...

Auch das Bild des friedlichen Vielvölkerstaates ist nicht ganz korrekt. An den Grenzen des Osmanischen Reiches herrschte immer wieder Krieg. In der ersten Phase war das Reich sehr expansiv. Eroberungen gehörten zum politisch-militärischen Alltagsgeschäft der Sultane. In der zweiten Phase waren die militärischen Angelegenheiten überwiegend defensiv: Das Reich musste vor dem Verfall bewahrt und die Provinzen unter Kontrolle gehalten werden. Außerdem war die Politik im Innern durch Haremsintrigen im Topkapi Sarayi und Machtkämpfen an der Hohen Pforte, dem Amtssitz des Großwesirs, geprägt...

Wie soll man die neo-osmanischen Tendenzen von heute deuten?
Für die Regierung von Erdogan und deren Anhänger ist die konservative Bewegung eine Gegenreaktion auf den modernen Säkularstaat. Nicht nur die Reformen Atatürks, sondern auch die zunehmende Hinwendung zu Europa und die Anbandelungen an die EU werden kritischer bewertet als noch vor einigen Jahren.

Wie im Russland Wladimir Putins, der wieder Erinnerungen an das alte Zarenreich aufleben lässt und den Kontakt zur russisch-orthodoxen Kirche pflegt, so lässt Erdogan die Erinnerungen an das alte Osmanische Reich wieder aufleben. Religiöse Traditionen gewinnen an Popularität. Die Verehrung der postindustriellen Moderne wird relativiert. Es ist ein gesellschaftliches Pendel, das in die andere Richtung zurück schwingt – und es ist Wasser auf die Mühlen der konservativen AKP.


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